Weihnachten in Griechenland: Bräuche, Traditionen und Schiffe statt Tannenbäumen

Christmas Light Boat von Dimitris Siskopoulos (dimsis), CC BY-SA 2.0, via Flickr

Weihnachten in Griechenland: Bräuche, Traditionen und Schiffe statt Tannenbäumen

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Die Fischer haben ihre Boote an Land gezogen und unter Planen gelegt, die Dorfkatzen suchen darunter Schutz. In Griechenland kann es im Winter richtig kalt werden, sogar Schnee an Weihnachten ist möglich. Die Sonne scheint noch, wärmt aber nicht mehr, und überall riecht es nach brennendem Olivenholz. Ab dem 23. Dezember brennen besonders viele Feuer: Sie sollen das Christkind warm empfangen.

Kurz erklärt

Griechen feiern Weihnachten am 25. Dezember, also am selben Tag wie in Deutschland. Die Kirche von Griechenland richtet ihre festen Feiertage seit 1924 nach dem neujulianischen Kalender, der bis zum Jahr 2800 mit unserem Kalender übereinstimmt. Am 7. Januar feiern nur orthodoxe Kirchen, die beim alten julianischen Kalender geblieben sind, etwa in Russland, Serbien und Georgien. Die Festzeit dauert in Griechenland zwölf Tage, bis zum 6. Januar. Die Geschenke bringt Agios Vasilis erst an Neujahr.

Wann feiern die Griechen Weihnachten?

Heiligabend ist der 24. Dezember, der erste Weihnachtstag der 25. Dezember. Gesetzliche Feiertage sind in Griechenland der 25. und 26. Dezember, der 1. Januar und der 6. Januar. Vor Weihnachten liegt eine 40-tägige Fastenzeit, die am 15. November beginnt. Die wichtigsten Tage der griechischen Weihnachtszeit:

TagFestWas passiert
15.11.Beginn der Fastenzeit40 Tage ohne Fleisch, in der strengen Form auch ohne Milchprodukte und Eier
6.12.Agios NikolaosFest des Schutzheiligen der Seeleute, Namenstag aller Nikos und Nikoletta
24.12.HeiligabendKinder singen am Morgen die Kalanda, abends wird das Christopsomo angeschnitten
25.12.Christougenna (Weihnachten)Gottesdienst am frühen Morgen, danach das große Festessen; gesetzlicher Feiertag
26.12.Synaxis der GottesmutterZweiter Weihnachtstag, gesetzlicher Feiertag
31.12.SilvesterKalanda zum neuen Jahr, um Mitternacht oder am Neujahrstag wird die Vasilopita angeschnitten
1.1.Agios VasilisBescherung, Namenstag aller Vasilis und Vasiliki; gesetzlicher Feiertag
6.1.Theophania (Ta Fota)Wasserweihe am Meer, Ende der Festzeit; gesetzlicher Feiertag
Die griechische Weihnachtszeit vom Fastenbeginn bis zur Theophania

Alle Feiertage des Jahres mit Datum stehen in unserer Übersicht Feiertage in Griechenland.


Orthodoxe Weihnachten: 25. Dezember oder 7. Januar?

Beide Termine meinen dasselbe Fest, den 25. Dezember. Der Unterschied liegt im Kalender. Einige orthodoxe Kirchen rechnen weiter nach dem julianischen Kalender, der heute 13 Tage hinter dem gregorianischen liegt. Ihr 25. Dezember fällt deshalb auf unseren 7. Januar.

Die Kirche von Griechenland hat 1924 auf den neujulianischen Kalender umgestellt. Seitdem feiert Griechenland Weihnachten am 25. Dezember. Ostern berechnen dagegen alle orthodoxen Kirchen weiter nach dem alten Kalender, deshalb liegt das orthodoxe Osterfest am selben Tag wie das katholische und evangelische oder bis zu fünf Wochen später.

Weihnachten am 25. DezemberWeihnachten am 7. Januar
GriechenlandRussland
ZypernSerbien
Ökumenisches Patriarchat (Istanbul)Georgien
Rumänien, BulgarienPatriarchat von Jerusalem
Griechisch-orthodoxe Gemeinden in DeutschlandKlöster auf dem Berg Athos

Auf dem Berg Athos gilt eine Ausnahme: Die Klöster dort liegen in Griechenland, folgen aber dem alten Kalender. Was orthodoxe und katholische Christen sonst unterscheidet, erklären wir im Beitrag Unterschied zwischen orthodoxem und katholischem Glauben.


Kallikantzari: Feuer gegen die Weihnachtskobolde

Nach altem Volksglauben vertreiben Feuer im Winter böse Geister. In der Weihnachtszeit werden daraus die Kallikantzari (Καλικάντζαροι), Kobolde, die in den zwölf Tagen zwischen Weihnachten und dem 6. Januar aus der Erde kommen. Sie machen die Milch sauer, essen die Weihnachtsplätzchen und verwüsten das Haus. Abwehren kann man sie nur mit einem Feuer, das jede Nacht im Kamin brennt und ihnen den Weg durch den Schornstein versperrt. Mit der Wasserweihe am 6. Januar verschwinden sie wieder unter die Erde.


Das Karavaki: Schiffe statt Tannenbäume

Griechenland ist ein Land der Seefahrer, und das sieht man an Weihnachten. Statt eines Tannenbaums stellten viele Familien früher ein geschmücktes Schiffchen auf, das Karavaki (καραβάκι). Auf den Inseln trugen Kinder beim Singen der Kalanda kleine Boote von Haus zu Haus, und das beleuchtete Schiff stand für die Seeleute, die über die Feiertage nach Hause kamen.

Die Tradition hängt auch mit Agios Nikolaos zusammen, dem Schutzheiligen der Seefahrer, dessen Fest am 6. Dezember die Weihnachtszeit einläutet. Heute steht in den meisten Wohnungen ein Tannenbaum. Das Karavaki ist trotzdem geblieben: Viele Städte stellen in der Weihnachtszeit große beleuchtete Schiffe auf ihre zentralen Plätze, oft neben den Weihnachtsbaum.


Agios Vasilis statt Weihnachtsmann

In Deutschland gibt es die Geschenke an Heiligabend. In Griechenland kommen sie in der Nacht zum 1. Januar, und gebracht werden sie von Agios Vasilis (Άγιος Βασίλειος). Er ist der griechische Weihnachtsmann und geht auf den heiligen Basilius von Caesarea zurück, der im 4. Jahrhundert als Bischof lebte und für seine Fürsorge für Arme bekannt war. Sein Gedenktag ist der 1. Januar, an dem alle mit diesem Namen ihren Namenstag feiern.

Zu Neujahr gehört die Vasilopita, ein Kuchen mit einer eingebackenen Münze. Wer sie in seinem Stück findet, hat im neuen Jahr besonders viel Glück. Wie der Brauch abläuft, steht in unserem Beitrag über den Brauch der Vasilopita.


Kalanda: Kinder singen von Tür zu Tür

Die Kalanda (κάλαντα) sind Glückwunschlieder mit byzantinischen Wurzeln. Kinder singen sie an drei Tagen: am Morgen des 24. Dezember für Weihnachten, am 31. Dezember für das neue Jahr und am 5. Januar für die Theophania. Sie ziehen allein oder in Gruppen durch die Nachbarschaft, klopfen an Türen und besuchen Geschäfte. Begleitet werden sie fast immer von einer Triangel, manchmal auch von Akkordeon, Gitarre oder Flöte.

Wer die Tür öffnet und die Kinder singen lässt, gibt ihnen danach ein paar Münzen. Viele Kinder sparen das Geld für ihre eigenen Weihnachtsgeschenke.

Griechische Weihnachtsmusik

Für die Weihnachtszeit haben wir eine Playlist mit griechischer Weihnachtsmusik zusammengestellt.

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Das Christopsomo: das Brot Christi

An Heiligabend backen die Familien das Christopsomo (Χριστόψωμο), das Brot Christi. Es ist meist rund und trägt oben ein Kreuz aus Teig, dazu kleine Figuren mit Weihnachtsmotiven. Auf Kreta gilt das Backen als eigenes Ritual: Für den Teig nimmt man die besten Zutaten, fein gesiebtes Mehl, Rosenwasser, Honig, Sesam, Zimt und Nelken. Aus der Hälfte des Teigs entsteht das Brot, aus dem Rest die Streifen für das Kreuz. In die Mitte kommt eine ganze Walnuss, auf die freie Fläche ritzt man mit Messer oder Gabel Blumen, Blätter und Früchte.

Jede Region hat ihre eigene Form. Ungewöhnlich ist der Brauch auf Kefalonia: Die Familie trifft sich beim ältesten Mitglied, legt drei nicht angezündete Fackeln als „X“ auf den Boden und das Brot darauf. Alle stellen sich im Kreis und legen die rechte Hand auf das Christopsomo. Dann gießt der Hausherr Öl über die Fackeln, legt sie in den Kamin, schneidet das Brot an und verteilt es. Danach beginnt das Abendessen.


Das Christoxylo: das Weihnachtsholz

Vor allem in den Dörfern Nordgriechenlands sucht der Hausherr an Heiligabend das schönste und dickste Stück Holz, oft von einer Kiefer oder einem Olivenbaum. Dieses Christoxylo (Χριστόξυλο) soll von Weihnachten bis zum 6. Januar ohne Unterbrechung im Kamin brennen. Nach dem Volksglauben hält es das Jesuskind in der kalten Krippe warm und schützt das Haus vor den Kallikantzari. Vorher wird der Kamin gründlich gereinigt. Am Abend versammelt sich die Familie, der Hausherr zündet das Feuer an, und alle wünschen sich, dass das Holz die zwölf Tage durchhält.


Fasten und Festessen

Die griechisch-orthodoxe Kirche kennt vor Weihnachten eine Fastenzeit von 40 Tagen, vom 15. November bis zum 24. Dezember. Wer streng fastet, verzichtet auf Fleisch, Milchprodukte und Eier; Fisch ist an bestimmten Tagen erlaubt.

Am 25. Dezember wird das Fasten mit einem großen Essen gebrochen, oft mit gefülltem Truthahn oder Spanferkel. Zum Kaffee gibt es Melomakarona, Honigplätzchen mit Walnüssen, und Kourabiedes, mürbes Mandelgebäck unter einer dicken Schicht Puderzucker. Das Rezept steht hier: Kourabiedes von Giagia Marika.


Theophania: das Ende der Weihnachtszeit am 6. Januar

Am 6. Januar feiert die orthodoxe Kirche die Taufe Jesu im Jordan, die Theophania oder Ta Fota („die Lichter“). In Hafenstädten und an Flüssen wirft der Priester nach dem Gottesdienst ein Kreuz ins Wasser, junge Männer springen hinterher, und wer es zuerst herausholt, soll ein gesegnetes Jahr haben. Damit endet das Dodekaimero, die zwölf Festtage. Mehr dazu im Beitrag über Bräuche beim orthodoxen Epiphaniasfest.


Neujahr: Granatapfel für das Glück

Am Neujahrsmorgen nimmt der Vater einen Granatapfel mit in die Kirche. Zurück zu Hause muss jemand als Erstes über die Schwelle treten, mit dem rechten Fuß zuerst und dem Granatapfel in der Hand. Dann wirft er ihn mit Schwung auf den Boden, sodass er aufplatzt und die Kerne sich verteilen. Dazu sagt man sinngemäß:

Gesundheit, Glück und Freude im neuen Jahr, und so viele Kerne der Granatapfel hat, so viele große Scheine in unseren Taschen, das ganze Jahr über.

Danach sehen sich die Kinder die Kerne an. Je fester und röter sie sind, desto besser soll das neue Jahr werden.


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Häufige Fragen zu Weihnachten in Griechenland

Wann feiern die Griechen Weihnachten?

Am 25. Dezember, wie in Deutschland. Die Kirche von Griechenland nutzt seit 1924 den neujulianischen Kalender, der bis zum Jahr 2800 mit dem gregorianischen übereinstimmt. Der 25. und 26. Dezember sind gesetzliche Feiertage.

Feiern Griechen Weihnachten am 7. Januar?

Nein. Am 7. Januar feiern orthodoxe Kirchen, die beim julianischen Kalender geblieben sind, etwa in Russland, Serbien, Georgien und Jerusalem. In Griechenland folgen nur die Klöster auf dem Berg Athos dem alten Kalender.

Wann gibt es in Griechenland Weihnachtsgeschenke?

Traditionell in der Nacht zum 1. Januar. Die Geschenke bringt Agios Vasilis, der griechische Weihnachtsmann, dessen Gedenktag der Neujahrstag ist.

Wie heißt Frohe Weihnachten auf Griechisch?

Καλά Χριστούγεννα, gesprochen „Kalá Christújenna“. Zum neuen Jahr wünscht man Καλή Χρονιά („Kalí Chroniá“) oder Ευτυχισμένο το νέο έτος („Eftichisméno to néo étos“).

Haben Griechen einen Weihnachtsbaum?

Heute ja, in den meisten Wohnungen. Die ältere Tradition ist das Karavaki, ein geschmücktes Schiffchen. In vielen Städten stehen auf den großen Plätzen Baum und beleuchtetes Schiff nebeneinander.

Wie lange dauert die Weihnachtszeit in Griechenland?

Zwölf Tage, vom 25. Dezember bis zur Theophania am 6. Januar. Diese Zeit heißt Dodekaimero. Davor liegt eine 40-tägige Fastenzeit ab dem 15. November.

Was essen Griechen an Weihnachten?

Nach dem Fasten gibt es am 25. Dezember ein großes Festessen, oft gefüllten Truthahn oder Spanferkel. Typische Süßigkeiten sind Melomakarona (Honigplätzchen) und Kourabiedes (Mandelgebäck mit Puderzucker). An Heiligabend wird das Christopsomo gebacken, zu Neujahr die Vasilopita.

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